Wir beraten Sie zu Fragen des Klimas im Umfeld von Kulturgütern in Depots, Archiven und Ausstellungen.
Wir streben einfache, auch im Betrieb bezahlbare Lösungen an, mit dem Ziel langfristig für die Objekte günstige Klimaverhältnisse zu schaffen. Dabei berücksichtigen wir sowohl die betroffenen Objektgruppen als auch die (historische) Bausubstanz der Gebäude, in welchen die Gegenstände untergebracht sind.

Gesprungene Radnabe aus Holz einer unlängst frisch restaurierten Kutsch aufgrund eines abrupten Klimawechsels (Austrocknung in einem klimatisierten Depot!). Quelle: Foto Prevart

Der nachfolgende Text ist ein 2011 umfassend überarbeiteter Ausschnitt aus unserem Handbuch zur Handhabung und Lagerung von mobilem Kulturgut (2003).

Eine weiterführende Diskussion dieses Ansatzes "40%-60% rF" findet sich in einem Text mit dem Titel "Klimavorgaben in Museen - ein gangbarer Kompromiss", der in seiner aktuellsten Fassung als PDF-Dokument im Downloadbereich im Bereich Museumstechik - Klima heruntergeladen werden kann.

Klimabedingungen für die Aufbewahrung von Kulturgut

Allgemein
Materialien reagieren sehr unterschiedlich auf Schwankungen von Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit. Es ist daher nur schwer möglich, all­ge­mein gültige Werte für ein optimales Klima in De­pots und Ausstellungsräumen anzugeben. Wenn möglich sollten die heikleren Objekte oder Objektteile die Vorgaben bestimmen (siehe auch Abschnitt Temperatur bzw. relative Feuchte).

Die Frage nach dem optimalen Aufbewahrungsklima für Kulturgut ist nach wie vor heftig umstritten. Für jedes Material bzw. jede Materialgruppe oder gar jede Materialkombination wären die Anforderungen unter Einbezug der sogenannten Klimageschichte des einzelnen Objekts zu beurteilen, festzulegen und sodann im Alltag um­zu­setzen. Da jedoch die meisten Objekte aus mehreren unterschiedlichen Materialien zusammengesetzt sind, können sie oft nicht einem eng­en Klima­be­reich zugeordnet werden, weshalb Kompromisse unumgänglich sind. Zudem lassen die betrieblichen, personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten in den meisten Museen, eine starke Differenzierung der Lagerbedingungen innerhalb der Depots gar nicht zu. Für die langfristige Erhaltung von Kulturgut ist das Klima nur einer von vielen – wenn auch ein wichtiger – Faktor. Das Schwergewicht des folgenden Abschnittes liegt daher auf der Vermittlung grundlegender Informationen, die im Museumsalltag auch von kleineren Institutionen nutzbringend angewendet werden können. Für weitergehende, den Rahmen dieser Publikation sprengende material- und objektspezifische Empfehlungen zu den klimatischen Lagerbedingungen verweisen wir auf die einschlägige Fachliteratur sowie neuer Beiträge im Internet.

Sinnvoll ist ein Ansatz, der für 90% bis 95% der Objekte eine gute Lösung ergibt. Für den Rest sind Sonderlösungen oder Kompromisse zu finden. Eine optimale Lösung für alle Objekte ist mit vertretbarem Aufwand in vielen Fällen nicht umsetzbar.

Klima Messen
Temperatur und relative Feuchte sind direkt voneinander abhängig. Zeichnen Sie Temperatur und Luftfeuchtigkeit in Depot- und Ausstellungs­räum­lich­keiten auf. No­tie­ren Sie sich die Maxima- und Minimawerte in einer Liste oder ver­wen­den Sie einen Thermohygrographen (Messgerät, das Temperatur und relative Feuchte aufzeichnet), der die Daten kontinuierlich oder in kürzeren Abständen auf­zeich­net. Verwenden Sie mechanische oder elektronische Geräte, bei welchen vor Ort Ab­weich­ungen von den Vorgaben grafisch auf der Kurve oder durch einen Alarm auf einer Anzeige am Gerät erkennbar sind.

Tipp: Überwachen Sie das Klima regelmässig, wenn möglich über das ganze Jahr und werten Sie die Messdaten systematisch und in kürzeren Abständen aus.

Tipp: Beachten Sie, nicht nur in der Raummitte zu messen, sondern v.a. auch an klima­tisch gefährdeten Stellen wie z.B. in der Nähe von kühleren Aus­sen­wän­den, Ecken, Lüftungen, Türen und in Bodennähe. An diesen Stellen wird die relative Luftfeuchte im Vergleich zur Raummitte bei gleicher absoluter Feuchte infolge der niedrigeren Temperatur höher sein.

Tipp: Verwenden Sie als Alarmgrenze die Extremwerte der Bandbreite (z.B. 40/60% rF und 15/26°C). Schwankungen über 10% rF pro Tag sollten ebenfalls genauer untersucht werden.

Handeln
Ergreifen Sie Massnahmen, wenn auf­fällige Schwankungen oder Extremwerte ausserhalb der Toleranzgrenzen auf­treten oder wenn sie (neue) Veränderungen oder Schäden an Objekten feststellen oder vermuten. Ziehen Sie Fachleute zur Analyse der Klimasitua­tion bei und gehen Sie dem Problem auf den Grund.

Temperatur
Aus konservatorischer Sicht wäre es in vielen Fällen in unseren Breitengraden angemessen, im Depot- und Ausstellungsbereich gemässigte Temperaturen von nicht weniger als 15°C im Winter und nicht mehr 25°C im Sommer an­zustreben. Meiden sie wenn möglich als Depotstandorte ungedämmte, im Sommer sehr heisse und im Winter sehr kalte Dach­geschosse. Finden sich im Bestand keine kälteempfindlichen Objekte, kann die Temperatur nach heutigen Erkenntnissen auch weiter absinken, sofern dies nicht abrupt erfolgt.

Tipp: Als Faustregel gilt, dass eine Erhöhung der Temperatur um 10°C bei Objekten zu einer Verdoppelung bis Verdreifachung der chemischen Reaktionen und damit auch zu einer Beschleunigung des Zerfalls führt. Umgekehrt wird die Lebensdauer eines Objekts durch eine Temperaturreduktion entsprechend verlängert.

Massstab bezüglich der Temperatur in einem Depot sollte nicht die Behag­lich­keit für den Menschen sein, sondern die möglichst langsame Alterung der Objekte.

Tipp: Temperaturen unterhalb von 13°C können für Objekte aus Zinn problematisch werden, daunterhalb von 13.2°C sogenanntes ?-Zinn in ?-Zinn rekristallisieren kann (aber nicht unbedingt muss) und das Objekt dabei zerfällt (sogenannte Zinnpest).

Tipp: Neuere Forschungen haben gezeigt, dass gewisse moderne Malmittel (z.B. Acryl) bei Temperaturen unterhalb von 15-16°C ungünstig beeinflusst werden können.

Tipp: Temperaturen über 26°C sind auch bezüglich gewisser in der Konservierung verwendeter Kunststoffe problematisch, da diese dabei u.U. viskos und klebrig werden.

Kühle Depots
Aus der Sicht der Schädlingsprävention (IPM) ist (v.a. bei naturkundlichen und ethnografischen Sammlungen) eine Temperatur unterhalb von 15°C (idealerweise 12-13°C) wünschenswert, da die Fortpflanzung von Insekten unter diesen Temperaturniveau stark ein­ge­schränkt ist. Die vorhandenen Tiere können aber sehr wohl noch Schäden an­richten.

Foto- und Filmmaterial ist chemisch relativ instabil. Achten Sie daher darauf, dieses Material möglichst kühl und trocken bei Temperaturen unter 16°C (im Idealfall bei ca. 5° - 10°C) aufzubewahren.

Es ist zu bedenken, dass kühle Klimata in den meisten Weltgegenden in den Sommermonaten nur mit hohem technischem Aufwand und unter Einsatz wertvoller Energie möglich sind. Sie lassen sich daher nur für hochkarätige, historisch bedeutende Bestände rechtfertigen.

Um Kondensationsprobleme zu vermeiden, sind Objekte aus „kühlen oder kalten Depots“ jeweils langsam an eine wärmeres Klima in Arbeits- und Ausstellungsräumen zu gewöhnen, indem sie über mehrere Stunden (idealerweise 12-24 Stunden) akklimatisiert werden. Belassen Sie die Objekte während dieser Akklimatisationsphase unbedingt in der ungeöffneten Verpackung. Bei grösseren Temperatursprüngen empfiehlt sich eine Akklimatisierung über mehrerer Stufen oder mittels einer gedämmten Akklimatisierungsbox.

Feuchte
Die absolute Feuchte bezeichnet den Wassergehalt pro Luftvolumen in Gramm pro Kubikmeter (g/m3). Luft kann bei verschiedenen Temperaturen unterschiedlich viel Wasser auf­nehmen, bis sie gesättigt ist und kondensiert. Bei einer Temperatur von 10°C sind dies z.B. 9,4 g Wasser/m3, bei 15°C 12,8 g Wasser/m3, bei 20°C 17,3 g Wasser/m3 .

Die relative Feuchte (rF, englisch auch RH für Re­lative Humidity) bezeichnet den relativen Sättigungsgrad der Luft, also wie viele Prozente der bei dieser Temperatur maximalen Sättigungsmenge an Wasser in der Luft vorhanden sind (siehe oben). Wird eine definierte Menge Luft bei gleich bleibender absoluter Feuchte (konstante Menge Wasser pro Einheit Luft) erwärmt, so sinkt daher die relative Feuchte (rF). Umgekehrt steigt die relative Feuchte beim Abkühlen.

Diese Aussage unterliegt in der Praxis einer gewissen Einschränkung, indem sie nur exakt gilt, wenn sich im betrachteten Luftraum keine grösseren Mengen hygro­skopi­schen Materials wie Papier, Holz, Pflanzen- oder Tierfasern befinden, die das Resultat beeinflussen. Entgegen der Erwartung haben nämlich diese (orga­ni­schen) Materialien die Tendenz, bei einer Tem­pe­ra­tur­erhöhung kurzfristig Feuchtigkeit ab­zugeben, wodurch die relative Feuchte weiter steigen kann, statt wie erwartet zu sinken und die Objekte durch Wasserabgabe auszutrocknen. (vgl. Auch den Begriff der Hysterese)

Die relative Feuchte ist dennoch auch im Bereich der Kulturgütererhaltung eine gut messbare und daher geeignete Masseinheit, um Aussagen über die Feuchtigkeit in der Umgebung zu machen.

feuchtes Klima
Ein Raumklima mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von mehr als 65% RF birgt eine er­höhte Gefahr der Schimmel­pilzbildung. Diese Gefahr ist vereinfacht umso grösser je höher die Tem­pe­ratur und die relative Luftfeuchtigkeit sind und je länger die erhöhten Werte andauern. Die im Falle von Museumsdepots vor allem gefährlichen Schimmel­pilze entwickeln sich in der Regel am besten in feuchtem oder feucht-warmem Klima, bevorzugt in Wand-/Bodenbereichen oder sonst kühlen Stellen im Raum. Feuchte Räume entstehen v.a durch un­güns­tige Umgebung und unsach­ge­mässe Bauweise oder Renovierung. Teilweise kann auch übermässiges Befeuchten infolge falsch eingestellter Feuchtesensoren oder Messung am falschen Ort (z.B. nur Raummitte) oder falsches Lüftverhalten zur Verschärfung des Problems führen. Beim Lüften wird die relative Luftfeuchte ansteigen, wenn sich warme, ge­sättigte Luft in einem kalten Raum (z.B. in einem massiven Steinbau im Frühling) abkühlt. Dadurch steigt die relative Feuchte im Raum und bildet ideale Voraussetzungen für das Schimmelwachstum.

Tipp: Beachten Sie, dass in der Mitte eines Raumes durchaus eine annehmbare relative Luftfeuchte gemessen werden kann, dass jedoch im gleichen Raum in der Nähe von kühleren Aussenwänden die Luft bereits gesättigt ist und ideale Bedingungen für das Wachstum von Schimmelpilz abgeben kann.

trockenes Klima
Sehr trockenes Raumklima mit einer relativen Luft­feuchtigkeit von weniger als 35% RF wird einerseits für ge­wisse Metalle, Glasarten, fotografisches Material und hygro­skopische Mine­ralien (z.B. Salze oder pyrithaltige Gesteine, salzbelastete Keramik, Gemälde auf Kupfer) em­pfoh­len, kann andererseits jedoch zur Aus­trock­nung und Versprödung von organischen Materia­lien (z.B. Holz) führen. Trockenes Innenraumklima entsteht v.a. im Winter durch das Beheizen von Ge­bäu­den und Räumen, da kalte Aussenluft mit geringem Wassergehalt durch die undichte Gebäudehülle einsickert und erwärmt wird, wodurch die relative Feuchte weiter absinkt (siehe relative Feuchte). Lüften in der kalten Jahreszeit (oder auch z.T. bei trockenem Wind, Bise) kann dieses Problem noch verschärfen.

Feuchte- und Temperaturschwankungen
Wichtig für die Erhaltung von Kulturgut ist, dass Veränderungen im Umgebungsklima möglichst langsam erfolgen und die material­spezifischen Grenz­werte nicht überschritten bzw. unterschritten werden. Kurzfristige Schwankungen sind daher möglichst zu vermeiden. Nach bisherigen Erkenntnissen schadet eine langsame saisonale Ver­än­de­rung der Kli­mabedingungen den Objekten in der Regel nicht, selbst wenn die Tempera­turen unter gewissen Bedingungen noch tiefer als 13°C fallen (siehe oben).

Versuchen Sie darauf zu achten, dass die Klimaschwan­kungen in einem Depot im Tagesverlauf 10% (idealerweise 5%) für die relative Luftfeuchte und 4-5 °C (idealerweise 2-3°C) für die Temperatur nicht über­schrei­ten. In Ausnahmefällen mögen sehr heikle Objektgruppen wie z.B. fragile Emails oder Gläser noch geringere Schwankungen erfordern. Ver­meiden Sie offene Türen und Fenster sowohl zum Aussenklima als auch zu anders klimatisch konditionierten Räu­men hin (z.B. Treppenhäuser, Verandas). Versuchen Sie wenn möglich Räume als Schleusen zwischen unterschiedlichen Klimata (v.a. zu Aussenklima) einzusetzen.

Die Schwankungen, die durch kurzes Querlüften (Intensives Lüften eines Raumes, so dass Zugluft entsteht, indem z.B. zwei Fenster oder Türen geöffnet werden von 4-5 Minuten) entstehen, scheinen nach heutiger Kenntnis die Objekte weniger zu ge­fähr­den als bis­lang ange­nom­men.

Massnahmen
Bereits der gezielte Einsatz einer Beschattung (z.B. aussen angebrachte Markisen, Storen, Läden, oder auch Vorhänge, u.s.w.) kann mithelfen, die Temperatur und die relative Luftfeuchte in einem Gebäude oder Raum in den Griff zu bekommen.

Zu trockene Raumluft:
Versuchen Sie Fenster und Türen an der Innenseite abzudichten, um das Einsickern von kalter, trockener Luft im Winter bzw. warmer feuchter Luft in den wärmeren Jahreszeiten zu reduzieren. Lassen Sie sich dabei von einer Fachperson beraten, um durch die ergriffenen Massnahmen keine bauphysikalischen Schäden am Gebäude zu verursachen.
Reduzieren Sie versuchsweise die Temperatur indem Sie weniger heizen (vgl. Zusammenhang zwischen relativer Feuchte und Temperatur). Ist dies nicht möglich, kann auch ein Luftbefeuchter eingesetzt werden. Siehe auch weiter unten: Eingriffe ins Klima.

Zu feuchte Raumluft:
Kontrollieren Sie die Aussenhaut des Gebäudes bzw. des Raumes. Ist das Dach intakt? Sind die Wasserführenden Leitungen dicht? Sind die Dachrinnen und Ablaufleitungen frei sowie die Sicker­lei­tungen der Hauswand entlang funktions­tüchtig? Entfernen Sie schatten­ge­ben­de Bäume und Büsche in der Nähe von Ge­bäuden und achten Sie darauf, dass der Boden nahe der Haus­wand nicht ver­siegelt ist (z.B. zugeteert oder be­to­niert).

Von feuchtem Erdreich umgebene und ungenügend abgedichtete Kellerräume sind bezüglich Feuchte in der Regel proble­ma­tischer als ober­irdische.

Beachten Sie, dass der Versuch, durch Heizen einen Raum zu entfeuchten unter Umständen kurzfristig kontraproduktiv sein kann, wenn in dem Raum ein grosser Anteil an or­ga­nischen Werkstoffen (z.B. Papier, Holz) eingesetzt bzw. gelagert ist. Entgegen der all­ge­meinen Annahme haben diese Materialien die Eigenschaft, bei Erhöhung der Tempe­ra­tur bis zu einem gewissen Grad Wasser abzugeben und selber auszutrocknen, wodurch im Raum die relative Feuchte (RF) stabil bleibt oder kurzfristig gar ansteigen kann.

Eingriffe ins Klima
Nutzen Sie im Sommer (wenn möglich aussenliegende oder in Kastenfenstern eingebaute) Beschattungssysteme, um die Temperatur in den Räumen niedrig zu halten.

Benutzen Sie allenfalls im Sommer Entfeuchter bzw. im Winter Befeuchter um die relative Feuchte innerhalb der Tole­ran­zgrenzen zu halten. Verwenden Sie unbedingt durch einen Hygrostat gesteuerte Geräte (siehe auch Stichwort Messen weiter oben in diesem Abschnitt) und stellen Sie die Wartung der Geräte sicher (Kondens­was­ser­ent­fer­nung bzw. Wasser­nach­schub, Kontrolle des Hygrostats, sowie regelmässige Rei­ni­gung). Schlecht gereinigte Be- und Entfeuchter sind ein idealer Nährboden für die Ent­wick­lung und Verbreitung von Schimmelpilzen und Bakterien. Schaffen Sie wenn mög­lich Geräte an mit einge­bau­ter UV-Entkeimung und verzichten Sie auf die Ver­wendung chemischer Zu­sätze im Wasser. Kontrollieren Sie die Feuchtewerte jeweils auch am kühlsten Ort im Raum.

Tipp: Durch sogenanntes konservatorisches Beheizen eines Raums kann die relative Feuchte innerhalb einer gewissen Bandbreite beeinflusst werden. Dies ist in der Regel günstiger als der Einsatz eines Entfeuchters.

Tipp: Modriger Geruch, der den Be- und Entfeuchtern entströmt ist ein untrügliches Alarmzeichen für schlechte Wartung der Geräte und akuten Schimmel- und/oder Bakterienbefall, was auch gesundheitlich bedenklich ist.

Tipp: Die Bewältigung von Klimaproblemen mit Entfeuchtern ist lediglich eine Symptombekämpfung. Wichtig ist jedoch, die eigentlichen Ursachen zu be­he­ben, bzw. eine bessere Ausstellungs- oder Lagerlösung zu finden.

Tipp: Seien Sie zurückhaltend mit der aktiven Klimatisierung durch Klimaanlagen, da deren Betrieb und Wartung aufwändig und teuer ist. Schlecht gewartete (z.B. Verschmutzte Luftkanäle oder Geräte) bzw. schlecht funktionierende bzw. gesteuerte Klimaanlagen sind ein nicht zu unter­schätzen­des Risiko für die Objekte wie auch für die Gesundheit der sich in diesen Räumen aufhalten­den Mitarbeiter.

Lüften
Beachten Sie, dass unsachgemässes Lüften (d. h. zu langes Lüften oder zum fal­schen Zeit­punkt lüften) zu ungewollter Austrocknung (v.a. im Winter) bzw. Be­feuch­tung (v.a. im Sommer) führen kann. Lüften Sie jeweils nur kurz und intensiv sowie im Som­mer von Vorteil in der kühlen Tageszeit am Morgen. Beziehen Sie die Wet­terlage in den Entscheid mit ein, ob und wann sie lüften (z.B. feuchte Win­de vor einem Gewitter befeuchten, während eine trockene Bise austrocknet).

Ziel ist es, das Klima­gleich­ge­wicht in einem Raum innerhalb der Toleranzgrenzen zu halten und nicht nach­haltig zu stören.

Tipp: Eine sogenannte elektronische Klimaampel vergleicht mittels Sensoren das Aussen- und das Raumklima und zeigt mit einer Ampel (grün, orange, rot) an ob Lüften sinnvoll ist oder nicht.

Luftzirkulation
Nebst Feuchte und Temperatur spielt auch die Luftzirkulation eine Rolle. Achten Sie darauf, dass in allen Bereichen des Depots die Luft umgewälzt wird und nicht stehen bleibt, da schlechte Luftumwälzung die Entwicklung von Schimmelpilzen fördern kann.

Tipp: Halten Sie mit Einbauten und Objekten einen Abstand von mindestens 20 cm zu Boden und Wänden (gegen das Aussenklima).

Tipp: Stellen Sie Schränke so auf, dass unter und hinter dem Schrank eine Luft­zirkulation möglich ist (keine geschlossenen Sockel und Wandanschlüsse).

Tipp: Vermeiden Sie hermetisch verschlossene Ver­schie­beregale, Schrän­ke, und Schubladen. Bedenken Sie jedoch, dass der Nutzen einer Luftzirkulation stets gegen das Risiko einer Staubablagerung abzuwägen ist.

Tipp: Behängen Sie verschiebbare Gitterwände nicht allzu dicht und lassen sie oben und unten ca. 10 cm der Gitterfläche frei, damit die Luft zir­ku­lieren kann.

Tipp: Der Einbau von neuen Fenstern in Gebäuden führt oft infolge besserer Abdichtung zu einem veränderten, meist feuchteren Klima im Rauminnern. Treffen Sie umgehend Massnahmen, wenn nach einem Umbau Kondenswasser an Wänden oder Fenstern, vermehrt modriger Geruch, Mauerflecken oder gar Schimmel auftreten, indem Sie für eine bessere Belüftung sorgen bzw. gegebenenfalls die Feuchtequelle eliminieren.

Transportieren/Verpacken
Objekte sind den grössten Klimaschwankungen in der Regel beim Transport aus­ge­setzt. Der Objektverpackung kommt daher eine grosse Bedeutung zu. Lassen Sie sich bei der Materialwahl für die Verpackung von einer Fachperson mit Muse­ums­- oder Transporterfahrung beraten. Lassen Sie das Verpackungsmaterial während mindestens 24 Stunden am Ort, an dem die Verpackung erfolgen wird, akklimatisieren. Ver­packen Sie die Ob­jek­te für den Transport mehrschichtig und schützen Sie das Objekt und die Verpackung vor Nässe. Sorgen Sie dafür, dass die Be- und Entladung von Fahr­zeu­gen rasch und möglichst wenig durch Aus­sen­klima erfolgt.

Tipp: Geben Sie dem Objekt nach einem Transport auch Zeit, sich an den neu­en Auf­be­wah­rungs­ort zu gewöhnen, indem Sie es wiederum mindes­tens 24 Stunden am neuen Ort in der Verpackung zur Akklimatisation stehen lassen, bevor Sie es aus­packen.

Ein Depot bauen
Rechnen Sie, bei Um- und Neubauten ge­nü­gend Zeit für die Bauaus­trock­nung, die Trocknung von Anstrichen und das Auslüften von Schadstoffen ein. Setzen Sie geprüfte, wo immer möglich schadstoffarme Materi­a­lien und Trockenbauweisen ein. Nutzen Sie Depot- und Ausstellungs­räume erst, wenn ein stabiles Klima über längere Zeit (mehrere Monate) erreicht ist. Bei gemauerten oder be­tonierten Gebäuden kann dies bis zu einem Jahr nach Fertigstellung sein. Die vollständige Austrocknung von Beton kann bis zu zwei Jahre dauern.

Ziehen Sie bei Baumassnahmen Spezialisten bei, welche mit der Depot- und Museumsproblematik vertraut sind. Vereinbaren Sie mit den Fachplanern klare aber auch mit angemessenem Aufwand umsetzbare Zielwerte für das Klima mit den zulässigen Tages- und Jahresschwan­kungen. Lassen Sie sich die Grenzwerte unbedingt schriftlich bestätigen und achten Sie darauf, die Einhaltung dieser Grenzwerte innerhalb der gesetzlichen Garantiefrist von üblicherweise 1 bis 2 Jahren zu kon­trollie­ren und allenfalls Nachbesserungen vor Ablauf der Garantiefrist zu verlangen.

Betrachten Sie ein Kulturgüterdepot in erster Linie als einen Lagerort und nicht als einen Arbeitsort um Objekte zu bearbeiten und zu konsultieren. Versuchen Sie daher in einem „Universal“-Depot mit wenig Objektverkehr moderate Temperaturen zu nutzen (15°-18°C im Winter bzw. niedriger als 26°C (idealerweise unter 22°C) im Sommer bei einer Luftfeuchtigkeit von 40-60% RH anzustreben. Dabei steht kurzfristig nicht die gesamte Schwankungsbreite zur Verfügung, sondern lediglich ein Teil sowie zusätzlich eine Verschiebung des Zielwerts in Abhängigkeit von der Jahreszeit.

Tipp: Sind die langsame, schonende Akklimatisation der Objekte bei der Nutzung und die oben erwähnte Spanne der relativen Luftfeuchtigkeit gewährleistet, kann die Temperatur im Winter bei vielen Objektgruppen auch deutlich tiefer liegen.

Tipp: Planen Sie von Anbeginn weg eine Schleuse zwischen dem eigentlichen Depot und dem Aussenraum, um Klimaschwankungen im Depot möglichst gering zu halten. Ziel ist, dass die Schwankung der relativen Feuchte im Tagesverlauf unter 10% (idealerweise unter 5%) liegt.

Tipp: Nutzen sie auch die spezifischen Eigenschaften von Baumaterialien um ein konstantes Klima zu erreichen (Feuchtepufferung, Dämmung, Masse).

Tipp: Vereinbaren Sie mit den zuständigen Planern oder mit unabhängigen Spezialisten den Einsatz von kalibrierten Präzisionsthermohygrographen zur Klimamessung während der Ga­rantie­zeit, damit eine allfällige Mängelrüge mit verbindlichen Klimadaten begründet und abgesichert wer­den kann.

Tipp: Vereinbaren Sie mit dem Nutzer, dass aussergewöhnliche Ereignisse (Technikausfall, extreme Wettersituationen, grosses Besucheraufkommen, über längere Zeit offene Türen etc.) protokolliert werden. Erst diese Zusatzinformationen ermöglichen die korrekte Auswertung der erhobenen Klimadaten.

Tipp: Die Messungen sollten mindestens über die Dauer eines Jahres erfolgen, um auch jahreszeitliche Schwankungen zu erfassen.

Die hier vorliegenden Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Die Anwendung und Umsetzung liegt jedoch in der alleinigen Verantwortung des Nutzers.
Wir übernehmen daher keinerlei Haftung für Schäden, die in irgend einer Form aus der Anwendung dieser Angaben entstehen könnten.

Zur Überarbeitung vorgesehen: 2024